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Dieter Duhm – Gott, wo warst Du in dieser Stunde?

Ein Gespräch zwischen Gott und dem Kardinal

Vor einigen Tagen war Papst Franziskus in Auschwitz und Krakau, an den Orten des Völkermordes (Anmerkung: der Text wurde Anfang August geschrieben).

Er bemüht sich wie kaum ein anderer um ein moralisches Umdenken. Mögen dieser Bemühung weitere Taten folgen, Taten von einer Größe, welche den bestehenden Wahnsinn zu überwinden vermag. Möge das Konzept der Feindschaft für immer aus der Menschheit verschwinden.

Nach dem Amoklauf in München sprach ein Kardinal der katholischen Kirche am Sonntag, 21.7. 2016, zu den Ereignissen. Er stellte in diesem Gottesdienst die Frage, die viele bewegte: „Gott, wo warst du in dieser Stunde?“ Er sprach dann weiter über die „Wege des Miteinanders, weil wir gemeinsam Mensch sind, das ist unsere Hoffnung.“

„Wir alle sind gemeinsam Mensch.“

Und Gott sprach zu ihm: Kardinal, ich danke dir, dass du in meinem Namen den Menschen in dieser schweren Zeit Hoffnung zusprichst und derer gedenkst, die das Opfer einer Bluttat geworden sind. Du fragst „Gott, wo warst du in dieser Stunde?“ Ihr Menschen habt diese Frage immer gestellt, wenn etwas Schlimmes passiert ist. Seit Jahrhunderten werde ich gerufen, wenn unter den Menschen diese furchtbaren Dinge geschehen. Und seit Jahrhunderten gebe ich immer dieselbe Antwort: Ich bin nicht außerhalb von euch. Ich bin in euch und habe euch das Evangelium der Liebe gegeben, damit ihr es auf Erden verwirklicht. Ich habe euch alles gegeben, was ihr dafür braucht: die Liebe, die Anteilnahme, die Ethik, das Gewissen, die Intelligenz. Ihr tragt alles in euch selbst, was ihr braucht, um eine humane Welt zu errichten. Aber ihr habt es nicht angenommen. In eurer Bibel heißt es: „Ich bin alle Tage bei euch, bis an der Welt Ende.“ Ich war immer bei euch, ihr wart aber nur selten zuhause.

Der Kardinal antwortete: Aber Du siehst doch, Herr, dass wir das Evangelium jeden Sonntag verkündigen, dass es aber die Mächte dieser Welt gar nicht befolgen wollen..

Gott: Ja, das sehe ich. Befolgt ihr es denn selber? Seid ihr nicht auch ein Teil dieser Mächte? Warum habt ihr das Evangelium in die Kirchen eingesperrt, anstatt es hineinzutragen in eure Politik, eure Wirtschaft, eure Justiz? Warum habt ihr zugesehen und geschwiegen, wenn Jahrhundert um Jahrhundert die furchtbaren Dinge geschehen sind: Kolonialismus, Völkermord, Judenverfolgung, Weltkrieg, Atombombe, Vietnam, Guantanamo, Gaza, Flüchtlinge … Warum habt ihr in den letzten Jahren nicht die Fliehenden, die Verfolgten, die Verhungernden, die Kinder in den zerbombten Städten mit Hilfsgütern und Lebensmitteln versorgt, ihr hättet doch durch euren Einfluss und euer Kapital die Möglichkeit dazu gehabt?!

Kardinal: Das ist doch naiv. Selbst wenn wir es gewollt hätten, hätten wir es nicht tun können, denn wir leben in einem globalisierten System von Wirtschaft und Politik, von Militär und Gewalt.

Gott: Und ihr lebt nicht nur in diesem System, sondern ihr unterstützt es auch indirekt durch eure Unterwerfung, euer Schweigen, eure Angst.

Kardinal: Was meinst du mit Unterwerfung?

Gott: Ich meine das, was ihr „Vernunft“ nennt oder „Kompromiss“ oder „Diplomatie“ . Ich meine diesen ganzen Kokon von Kompromissen und Halbheiten, in den ihr euch eingewickelt habt

Kardinal: Was könnten wir denn anderes tun? Ich bin nur ein Priester und kann nicht die ganze Welt verändern. Was sollen wir tun gegen die Übermacht dieses Systems?

Gott: Habt ihr vergessen, dass auch dieses System aus realen Menschen besteht, und daß alle diese Menschen als kleine Kinder auf die Welt kamen, genau wie ihr? In jedem Menschen steckt ein verborgener Christus. Weckt eure eigene Christusseele, dann weckt ihr sie auch in anderen. Karl Marx hat mit großer Kraft den Gedanken des Systems entdeckt, welches wie eine fremde Macht über den Menschen steht. Ihr sollt jetzt mit ebensolcher Kraft dahinter wieder den Menschen finden. Wenn ihr mit Menschen redet, werden Menschen antworten.

Kardinal: Aber eben diese Menschen gehorchen meistens nicht Deinem Wort, sondern dem Gesetz des Systems, in dem sie leben. Könntest du nicht helfen, das System zu verändern?

Gott: Doch, aber nur mithilfe der Menschen. Ich kann nichts tun ohne die Auferstehung des Menschen, und die besteht darin, dass der Mensch die Vollmacht, die er durch Mich hat, wieder ganz in sich wirken lässt. Ihr könntet, wenn ihr wolltet, sehr viel mehr bewirken als ihr glaubt. Ihr könnt mit euren vereinten Kräften eine globale Kraft aufbauen, die stärker ist als alle Gewalt. Aber du hast Recht, allein kannst du es nicht tun, ihr alle steht vor einer neuen Entscheidung. Wenn du die Entscheidung findest, in heiliger Weise zu leben, werden sich viele andere anschließen. Wo zwei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.

Kardinal: Was also sollen wir tun?

Gott: Das System verlassen und ein anderes errichten. Wem habt ihr die Treue geschworen – dem System, welches alle diese Kriege verursacht, den Regierungen, den Banken und Konzernen, die euch zu dieser Kriegswirtschaft gezwungen haben? Überdenkt eure alten Loyalitäten, verlasst eure Neutralität, nehmt Partei für die, die heute verfolgt und gemordet werden. Verbindet euch öffentlich mit den Friedensarbeitern und Menschenrechtlern, die überall ihre letzten Kräfte geben, aber viel zu allein sind, um das weltweite Unrecht stoppen zu können. Verbindet euch mit Amnesty International, Greenpeace und anderen weltweiten Friedensgruppen, auch wenn sie nicht einer Kirche angehören. ICH habe keine Konfession. Gründet eine parteiübergreifende Bewegung im Namen des ursprünglichen Evangeliums und helft jetzt zum Beispiel den türkischen Gefangenen…

Kardinal: Unsere Satzungen sehen solche politischen Eingriffe nicht vor.

Gott: Dann verändert eure Satzungen.

Kardinal: Ich verstehe Deinen Aufruf. Aber hättest Du nicht trotzdem eingreifen können, als das Unglück geschah?

Gott: Zunächst frage ich dich: Hast du Meinen Aufruf wirklich verstanden? Dann folge ihm. In derZusammenarbeit mit Dir und allen weiteren werde ICH keine Morde zulassen. Aber ich kann nureingreifen, wenn ihr den Kanal zu mir öffnet und mich ganz in euch einlasst. Ich kann voll durcheuch wirken, wenn ihr euer Ego-Nest ausräumt, so dass ich in euch hineinpasse. Das ist eine neueEntscheidung für jeden einzelnen. Du fragst, wo ich war in dieser schweren Stunde? Ich frage zurück: wo wart ihr, die Kirche, die Gemeinden, die Regierungen. Wo wart ihr, als der Terror geboren wurde in den Orten des Elends, des Kriegs und der verlassenen Kinder? Wo wart ihr, als ihr geschwiegen habt zu den Waffenlieferungen in die Kriegsgebiete; als ihr geschwiegen habt, wenn sie den Armen das Land raubten, um es den Reichen zu geben; wo wart ihr, als sie ihre Heere schickten gegen die indigenen Völker, die Indianer und Ureinwohner, die gegen das Unrecht aufbegehren wollten? Wo wart ihr, als ihr hörtet, was auf den Schlauchbooten der Flüchtlinge geschieht? Wo wart ihr alle, als die deutsche Regierung diese Flüchtlinge einer despotischen Regierung überantwortete?

Kardinal: Wir haben nicht die Macht, alles richtig zu machen. Über uns steht immer noch die Macht unserer derzeitigen politischen Realität.

Gott: Ja – und diese Realität ist gerade dabei, ihre furchtbaren Dinge zu wiederholen. Schaut auf das Schicksal der fast 20.000 Gefangenen, die jetzt nach dem Putsch in der Türkei in den Gefängnissen sitzen. Ihr wisst doch, was in solchen Gefängnissen geschieht? Wisst ihr es? Oder wollt ihr es gar nicht mehr wissen, weil es zu schlimm ist, denn keiner erträgt eine Folter. Bitte helft diesen Menschen, es sind Menschen wir ihr. Sorgt jetzt für eine öffentliche Bewegung zum Schutz dieser Häftlinge!

Kardinal: Aber sie haben in ihrem Putschversuch viele Menschen umgebracht. Sie sind Terroristen.

Gott: O ja – Terroristen! Was macht ihr gerade für merkwürdige Dinge mit diesem Schlagwort. Alle sprechen jetzt von den Terroristen, aber ihr wisst genau, dass ein noch viel größerer Terror überall in der Welt angerichtet wird von euren eigenen Geldgesellschaften, euren Banken, Konzernen und Regierungen. Die Favelas in Rio, die jetzt wegen der Olympiade abgerissen werden… Ihr habt gesehen und durch eure Medien erfahren, was in der Welt geschieht. Ihr habt erfahren, wie sie afrikanischen Dörfern das Wasser entziehen, um damit ihre Plantagen zu begießen. Habt ihr nicht eure Augen zugedrückt, während Millionen andere auf dieser Erde gepeinigt, gefoltert und getötet wurden? Ich habe euch vor zweitausend Jahren durch einen meiner Propheten sagen lassen „Was ihr getan habt einem unter meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ Wo war eure Hilfe? Ihr habt gehört, wie euch gesagt wurde „Du sollst nicht töten“. Aber ihr habt es zugelassen, dass im Namen eurer Religionen und Konzerne Millionen und Abermillionen Menschen getötet wurden und immer noch werden. Kardinal, du bist ein Mensch, aus meinem Geist und meinem Herzen geboren, warum habt ihr all das zugelassen, erlaubt und dazu geschwiegen? Warum habt ihr die Nächstenliebe und die Anteilnahme nicht praktiziert, als sie Bomben auf die Flüchtlingslager abwarfen, Bomben statt Lebensmittel? Warum habt ihr euch mit bloßen Parolen, mit Friedensappellen und kleinen Spenden begnügt? Und du fragst „Gott, wo warst du in dieser Stunde?“ Darf ich zurückfragen: Kardinal, wo warst du, wo wart ihr alle in diesen Stunden, in diesen Jahren und Jahrhunderten? Ihr glaubt, dass ich euch in den schweren Stunden verlassen hätte? Nein, mein Kardinal, warum habt ihr mich verlassen?

Kardinal: Ja, hoher Geist, ich verstehe deinen Appell. Aber jetzt geht die Welt einer Katastrophe entgegen, wir brauchen jetzt deine Stimme, deinen Schutz, deine Gnade und Vergebung.

Gott: Ich wiederhole es: Ich bin nicht über euch, sondern in euch. Wenn ihr bei MIR seid, steht ihr immer unter Meinem Schutz. Wenn ihr bei Mir seid, wird es zu keiner Katastrophe kommen, denn ich will das Leben, nicht den Untergang, ich will die Liebe, nicht den Krieg. Es liegt in eurer Verantwortung und in eurer Entscheidung, welchem System ihr dienen wollt: dem System einer Kriegsgesellschaft oder dem System des Lebens. Ihr sprecht in den Kirchen von Brüderlichkeit und Anteilnahme. Habt ihr dabei nur an die Opfer gedacht, oder auch an die Täter, die Amokläufer und Selbstmörder, die jungen Terroristen, die Kämpfer im „Islamischen Staat“ – habt ihr sie eingeschlossen in eure Mitmenschlichkeit? Glaubt ihr wirklich, man könnte solche Gewalt einfach durch Gegengewalt, durch Polizei und Militär beenden? Ihr müsst die Ursachen heilen, nicht die Symptome bekämpfen. Die jungen Männer, die ihre schrecklichen Taten vollbringen, waren alle einmal Kinder, angewiesen auf eure Liebe und Fürsorge. Kein Kind, welches liebevoll begleitet wird, kann später ein Mörder werden. Wisst ihr denn nicht, dass viele junge Terroristen aus euren eigenen Reihen, eurer eigenen Gesellschaft und deren Aktionen hervorgegangen sind? Wisst ihr nicht, dass Amoklauf und Terror aus Unglück und enttäuschter Liebe kommen? Wie viele Amokläufer mussten mit ansehen, wie ihre Frauen und Kinder nach einem Bombenangriff tot unter den Trümmern lagen? Was mussten diese jungen Menschen als Opfer durchleiden, bevor sie selbst zum Täter geworden sind? Wisst ihr, was in jungen Menschen vor sich geht, wenn sie niemandem mehr glauben können?

Doch – der Kardinal wusste es. Auf einmal wusste er wieder, was er ursprünglich selbst einmal geglaubt und geliebt hatte. Er verbreitete einen Hirtenbrief und sprach mit einem guten Menschen in Rom, dem Papst Franziskus. Viele schlossen sich an. Sie hatten erkannt, dass sie ihr eigenes Leben und das ihrer ganzen Welt auf eine neue Grundlage stellen mussten – und dass sie alle in ihrem Innersten wussten, welche Grundlage gemeint war, denn sie hatten ja alle vom „Evangelium“ gesprochen. Es ging um die tiefste Heilung der Liebe, auch der Geschlechterliebe. Neue Impulse, neue Handlungen, neue Informationen gingen durch die internationalen Medien. Und so entwickelte sich der Geist einer neuen Menschlichkeit in den Dörfern und Städten der Welt. Der Geist kam auch über die Tierwelt. Die Menschen erkannten, dass zu den „geringsten Brüdern“ auch die Tiere gehören, weil sie wie wir Gottes Geschöpfe sind. Sie beendeten ihr blutiges Handwerk in den Tierlabors und Schlachthöfen. Sie erkannten das eine heilige Leben, das ihnen gleich war, in allen Wesen. Damit begann ein neues Kapitel auf der Erde: Nova Ecclesia, Terra Nova.

 

Im Namen der Liebe, im Namen aller Kreatur.

Dr. Dieter Duhm, Tamera, 7.8.2016

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Weitere Informationen:

Institut für globale Friedensarbeit, Institute for global Peacework (IGP)

Tamera, Monte do Cerro, P-7630-303 Colos, Portugal

Tel: +351 283 635 484

Fax: +351 283 635 344

eMail: igp@tamera.org

www.tamera.org

Wir freuen uns über die Verbreitung und Vervielfältigung dieser Gedanken, bitte jedoch immer mit Quellenangabe!

Buchhinweis:

Dieter Duhm, Terra Nova. Globale Revolution und Heilung der Liebe, Verlag Meiga


Dieter Duhm

Dieter Duhm, Kunsthistoriker, Psychoanalytiker, promovierter Soziologe, Experte der Lebensenergie-Konferenz: zum Expertenprofil


Ein Kommentar

  1. Danke für die Worte,denen ich mich anschließe.Wir alle haben das,was ist,gemeinsam erschaffen.Es ist höchste Zeit,anzuhalten,und gemeinsam im Mitrinandet eine neue Welt zu schaffen,indem jeder die Verantwortung übernimmt für das,was er getan und auch unterlassen hat.Raus aus Verurteilungen und Bewertungen.Erinnern wir uns daran,dass wir Schöpferwesen sind.Wir nähren das,worauf wir den Fokus legen.Holen wir unsere Macht zu uns zurück.und gehen aus der Fremdbestimmung on die Selbstbestimmung. Ich lade euch ein,mit mir gemeinsam den Fokus auf Liebe,Frieden,Freiheit und ein gemeinsames Miteinander in gegenseitiger Achtsamkeit und Respekt zu legen,vom Ich zum WIR.Ich danke euch allen..🙏🏼❤️

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