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Dr. Christina Kessler
– Selbstrealisation ist Weltrealisation

Meine anhaltende Wertschätzung für die so einzigartig brilliant auf den Punkt gebrachte und formulierte Weisheit von Christina Kessler habe ich ja bereits häufiger zum Ausdruck gebracht. Es ist für mich immer wieder ein Hochgenuss, ihre Texte zu lesen, und ich werde immer mal wieder welche davon in meinem Blog veröffentlichen. Ich bin dankbar, dass ich dafür ihre wohlwollende Zustimmung habe. Nachfolgender Text erschien erstmals 2015 in der Zeitschrift „Connection“, die es, wenn ich noch auf dem neuesten Stand bin, leider seit einer Weile nicht mehr gibt.

Der Text spricht mir aus Seele. Seit gut 30 Jahren bin ich überzeugt davon (und versuche meinen Beitrag dazu zu leisten), dass es eine wichtige Aufgabe für uns hoffentlich etwas bewussteren Männer ist, dem, was im englischen „Sacred Feminine“ (klingt im Deutschen wörtlich übersetzt nicht so schön, deshalb ziehe ich den englischen vor) genannt wird, einen Raum zu erschaffen, sodass sich die archetypisch-urweiblichen Qualitäten des Menschseins entfalten können, nachdem die patriarchalen und leider ganz und gar nicht archetypisch-männlichen Qualitäten („Sacred Masculine“) Kräfte in den vergangenen Jahrtausenden alles Lebendige und Natürliche fast bis zum finalen Exitus unterdrückt und ausgerottet haben.
Ich meine damit ganz bestimmt nicht, dass es wünschenswert wäre, dass mehr Frauen in unserem kranken System in Führungsrollen kommen sollten, die dann nur (oder schlimmer, noch bessere) weibliche Männer sind. Vor noch mehr Merkels und Clintons und sonstigen taffen Managerinnen kann´s einem nur grausen.
Auch wenn ich denke, dass es sinnvoll wäre, wenn „wir Männer“ mal ein paar Schritte zurücktreten und einfach mal für eine Weile „die Schnauze halten“ und die Frauen machen lassen, weiß ich doch, dass es im Kern um die Entfaltung dieser „universellen Weiblichkeit“ in uns allen, d.h. in Frauen UND Männern geht. Was auch immer das im Einzelnen dann werden mag: jedenfalls nicht Zerstörung, Krieg, Ausbeutung, Raubtierkapitalismus, endloser Konsum, Manipulation und zunehmende Volksverblödung.

Ich beobachte seit vielen Jahren mit Sorge, dass sich diese „alten Strukturen“ schön getarnt im hübschen Gewand gerade auch in den vermeintlich fortschrittlichen und angeblich transformierenden Bewegungen, wie in vielen wellness-esoterischen Bereichen oder den endlos boomenden Selbstoptimierungs-/Coaching/Erfolgsmethoden fortsetzen. Christina bringt auch diese Beobachtung sehr präzise auf den Punkt.
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Selbstrealisation ist Weltrealisation

Frauen »an die Macht«? Vergiss es!

 

Die neue Spiritualität ist der Vermarktung zum Opfer gefallen und hat ihre Chancen vielleicht schon verspielt. Nur ein netteres Patriarchat zu erschaffen, soll das alles sein? In diesem System hilft es nichts, wenn Frauen an die Macht kommen. Stattdessen müssen wir, Frauen wie Männer, einen Zugang zum wilden Denken wiederfinden und zur »Innenansicht der Wirklichkeit«, dann sind Selbstrealisation und Weltrealisation dasselbe.

Geradeheraus und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen: Ich glaube weder an eine Spiritualität, in der die Frauen »an die Macht« kommen, noch an eine weibliche Spiritualität.

Spiritualität als innere Wissenschaft ist von Natur aus weiblich. Sie steht für das Weibliche im Menschen ebenso wie für die Innenansicht der Wirklichkeit. Eher würde ich sagen, dass wir uns im Verlauf des Patriarchats den Zugang zur Spiritualität, zum Weiblichen, verbaut haben. Mit der Folge, dass sich auch die Intuition (intueri, lat. – hineinblicken) nicht in gleichem Maße entwickeln konnte wie der Intellekt, und das war bei Männern ebenso der Fall wie bei Frauen. Ich meine echte Intuition, wirkliche Einsicht, Durchblick bis auf den Grund. Das haben nach wie vor nur wenige Menschen, sonst gäbe es nicht so viele Probleme.


Spiritualität als innere Wissenschaft ist von Natur aus weiblich,
und für diese inneren, geistigen Räume brauchen wir ein Innendenken!

 

Im Dualismus gefangen

Was die Welt braucht, ist eine neue Anerkennung des Weiblichen in allem! In jedem. In uns. Kollektiv! Frauen sind darin nicht automatisch stärker als Männer, sie tun sich damit genauso schwer, nur auf andere Weise.
Wir sind alle Kinder des Patriarchats und bis in die Fußspitzen patriarchal konditioniert. Die Frage nach einer weiblichen Spiritualität selbst entstammt dieser Konditionierung; ihr typischstes Merkmal ist ja gerade dieses ewige Entweder-Oder. Solange wir in einem dualistischen Raster gefangen sind, wird es keine echte Spiritualität geben. Spiritualität zielt auf Einheit, Ganzheit ab, auf das Transzendieren der Gegensätze zu etwas Neuem. Es geht nicht um Männer oder Frauen. Es geht um eine völlig neue Bewusstseins- und Beziehungskultur.

 

Das wilde Denken

In Connection habe ich über das wilde Denken geschrieben. Ich meine damit ein analoges, holografisches Denken, das nicht in einzelnen Teilen, Subjekt – Objekt, sondern relational, prozesshaft denkt und jede aktuelle Situation mit der kosmischen Ordnung in Zusammenhang bringt. Nur dieses Denken ist in der Lage, das Entweder-Oder zugunsten eines natürlichen Sowohl-als-auch zu überwinden. Nur dieses Denken lässt uns herausfinden, wann wir uns wohin richten sollen – nach innen oder nach außen – und unter welchen Umständen wir Geist oder Materie Rechnung tragen müssen.

Das wilde Denken ist das natürliche Gegenstück zum Rationalen, welches stets in Gegensatzpaaren denkt und für die Außenansicht eingerichtet ist. Für die inneren, geistigen Räume brauchen wir ein Innendenken!
Hier liegt das eigentliche Handikap, denn wir Westler können gar nicht mehr wild denken.

Wir können uns nicht einmal etwas unter wildem Denken vorstellen. Unser linkshirniges Bildungssystem hat uns das Einheits-Denken und das Gespür für das unsichtbare Beziehungshafte gründlich ausgetrieben. Wildes Denken scheint nur noch bei den letzten Naturvölkern vorzukommen.

Wir sind dermaßen verkopft, dass wir uns Spiritualität einbilden, sie aber nicht leben. Wir sind Schauspieler, wir tun als ob, aber dieses Spiel ist nicht echt. Wollen wir kollektiv dorthin zurück, zur Wahrheit, steht uns allen ein Richtungswechsel, eine radikale Metanoia bevor. Wer diesen Richtungswechsel geschafft hat, weiß, was ich meine.

Denn dort innen finden wir das Ungetrennte, allem Gemeinsame, das Universale, Verbindende mit seinem weichen, umarmenden – weiblichen – Charakter und seiner gnadenlosen Stringenz, die nichts anderem als ihrem eigenen Gesetz gehorcht.

 

Spiritualität als Unterhaltung

Ich glaube an ein neues Bewusstsein, verbunden mit einer neuen Bewusstheit für die innere Ordnung der Dinge, für das, was die Welt und uns selbst im Innersten zusammenhält. Da für trete ich ein. In der spirituellen Ecke, wie sie sich in den letzten Jahren gestaltet, wird es mir jedoch zunehmend mulmig und eng. Dort fühl e ich mich eingesperrt, unfrei und fehl am Platz. Ich kann all die Versprechungen, das Aufgebauschte, Spektakuläre nicht mehr aushalten und am wenigsten das scheinheilige Getue. Ich lehne den Markt ab, der sich um die neue Spiritualität aufgemotzt hat, weil er nach einer seichten, wohlklingenden, beschönigenden Tour verlangt, und die Herausforderung im Banalen erstickt. Ich finde es beschissen, dass selbstgefällige Meister mit einem Riesen-Werbeaufgebot die Massen mit einer Hausfrauen-Spiritualität bedienen, die für mich unakzeptabel ist, weil sie vom Eigentlichen ablenkt. Eine solche Spiritualität besitzt keine transformative Sprengkraft, sie ist Unterhaltung, Hobby.

 

Nur ein netteres Patriarchat?

Und die Religionen? Selbst wenn sie sich innovativ geben und zum Teil gute Fürsprecher haben, sind sie nur noch Relikte einer vergangenen Zeit, denen es um die Anbetung der Asche, nicht aber um die Weitergabe des Feuers geht. Ani Jinpa Lhamo, buddhistische Nonne und Übersetzerin meiner Bücher, sagt dazu: „Die Religionen und alle Traditionen, die auf sich abgrenzenden, institutionalen Mustern aufgebaut sind, sind dabei, sich in den Schwanz zu beißen, und jaulen, weil es weh tut. Weil sie erkennen, dass die alte Party vorbei und der Wandel unaufhaltsam ist, wollen sie die Kontrolle behalten, so gut es geht, um ihre Eliten hinüber zuretten. Allenfalls sind sie zu einem „netteren Patriarchat“ bereit. Dumm nur, dass sie dabei – wie die politischen und wirtschaftlichen Eliten sowieso – auch korrupt und gewalttätig werden. Auch die östlichen Spiris wollen letztendlich nur die alte Gesellschaftsordnung aufrecht erhalten. Social pacification, ein netteres Patriarchat.“

Ist weibliche Spiritualität etwa das – dieses nettere Patriarchat?

 

Ende der Denk-Ära

Manchmal frage ich mich, ob die neue Spiritualität ihre Chancen nicht bereits verspielt hat, gerade weil sie von einer beabsichtigten Gefälligkeit regiert wird. Wie alles andere auch ist sie einer totalitären Vermarktungsmaschinerie zum Opfer gefallen. Wie vor ihr die Religionen, landete auch sie in der Falle eines uns alle beherrschenden trennenden Paradigmas. Trennende, elitäre, macht- und egoanfällige Formen werden niemals in der Lage sein, ihre eigentliche spirituelle Aufgabe zu verwirklichen. Die Denk-Ära selbst, in der das Heilige und das Profane, Geist und Materie zwei verschiedenen Bereichen zugeordnet wurden, muss ein Ende haben!

 

Neue Bildung

Ich glaube, wir brauchen ein selbstverständliches universales Bewusstsein und eine Bildung, die es jedem Menschen ermöglicht, den Weg der Selbstrealisation zu gehen. Einfach deshalb, weil wir verloren sind, wenn wir nicht lernen, aus der Überfülle an Informationen blitzschnell zu synthetisieren und im Gegensätzlichen das Gemeinsame, im Besonderen das Universelle erkennen.

Wir brauchen die Anerkennung eines neuen Tiefen-Verständnisses, in dem Gott, Götter, Engel und alle himmlischen Wesen endlich als das erkannt werden, für was sie als Symbole stehen: Bewusstsein, eine implizite Ordnung, die man, sobald man sich mit ihr verbindet, als Liebe und Inspiration erfährt (»da spricht etwas in mir«). Und die man, ob man will oder nicht, zu respektieren hat, weil sie die Grundlage des Lebens bildet.

Ist das so schwer? Braucht es dazu diesen ganzen Götzen-Zirkus – heute noch?

 

Verantwortung übernehmen

Vielleicht wollen wir ja aber noch gar keine echte »Erleuchtung«. Denn das hieße ja, dass uns plötzlich die Verantwortung zufiele für dieses Leben. Lieber schieben wir diese Verantwortung noch ein wenig herum und projizieren sie noch eine Weile hinaus – auf spirituelle Idole oder auf Politiker, die sich so gut als Sündenböcke eignen. Genau diese Verantwortung heißt es jedoch zu übernehmen. Jetzt! Nur so kann sich an der Basis etwas verändern. Nur so kann sich der Humus für eine neue Kultur des Herzens bilden, an deren Schaltstellen im Sinne eines ganzheitlichen Paradigmas, eines Paradigmas des Lebendigen, gedacht und entschieden werden kann. Das wäre genial. Das wäre für mich die neue Spiritualität – eine große bodenständige Transformation, von der wir sagen könnten: »Selbstrealisation ist Weltrealisation«.

 

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Ausführliche Informationen über die Arbeit und Veröffentlichungen von Christina Kessler:
www.christinakessler.com
E-Mail: office@christinakessler.com
Tel: 08802-8151

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Dr. Christina Kessler, Kulturanthropologin, Religionswissenschaftlerin, Philosophin,Autorin, Seminarleiterin, Begründerin der Amosophie,

Expertin der Lebensenergie-Konferenz: zum Expertenprofil

 

 

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3 Kommentare

  1. Belinda Schütz

    das spricht auch mir aus der Seele! Wie wunderbar, wenn wir uns nur mit uns selbst beschäftigen, der Blick nach innen gerichtet offenbart so vieles.

    mich macht nur traurig, dass diese „Menschenverblender“, wie ich diese Gurus und Götzenanbeter nenne, noch immer so viele Bewunderer und auch Bezahlende ihrer horrenden Seminarpreise haben. Offenbar brauchen die Menschen jemanden, der ihnen sagt was sie tun sollen – und je handfester, desto lieber. So lange Menschen andere auf ein Podest stellen und anhimmeln, wird es diejenigen geben, die sich auf ein Podest stellen lassen und ihren Nutzen daraus ziehen.

  2. ja dies spricht auch mir aus der Seele! Es ist so eine Bestätigung für mich. Danke für diesen wunderbaren Text, es bestärkt mich meinen Herzensweg weiter zu gehen.

    Ich durfte schon mehrmals die Erfahrung machen, die Gegensätze zu vereinen bzw. zu transformieren. Dies geschah jedes Mal, indem ich meiner Intuition folgte.

  3. Liebe Christina Kessler,

    das, was du mit „Wildem Denken bezeichnest und so wunderbar beschreibst als Gegensatz zum rationalen Denken, entspricht der Art zu denken von Hochsensiblen Menschen. Anders als die meisten glauben, ist das entscheidende Merkmal für Hochsensibilität nicht, sehr sensibel zu reagieren, sondern die völlig andere Art der Wahrnehmungsverarbeitung und die ganz andere Art zu denken, nämlich so, wie du es beschreibst. Naturwissenschaftlich betrachtet, ist die neuronale Vernetzung anders. – Allerdings ist längst nicht allen Hochsensiblen das Herzdenken zu eigen, was immer spirituell ist. Dieses hängt meiner Meinung nach mit einem weiter geöffneten Herzchakra zusammen. Das ist etwas, woran jeder arbeiten kann, während nach heutigen Kenntnissen die Fähigkeit zum wilden Denken angeboren ist.

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