•  

    Hier findest du regelmäßig fundierte Beiträge unserer Experten der Lebensenergie-Konferenz zu unterschiedlichsten Themen. Ausführlichere Infos zu den Autoren findest du in deren Expertenprofil und natürlich auf deren eigener Website, zu denen wir am Ende der jeweiligen Beiträge verlinken. Ggf. verweisen wir auch gerne auf aktuelle Projekte, Workshops, Veröffentlichungen... etc. Mögen die Beiträge dich bereichern und zu eigenen vertiefenden Selbsterforschungen inspirieren.

    Die Inhalte eines jeden Artikels spiegeln natürlich jeweils nur die Erkenntnisse und Ansichten des einzelnen Autoren wieder und nicht die der gesamten Autorenschaft oder der Betreiber des Blogs. Wir wählen die Artikel sorgfältig und bewusst aus und stellen sie vor, weil wir sie für interessant und reflexionswürdig erachten.

Frey Faust: Intelligente Evolution

Coco_WS-Frey_2011_073_700
Die historische Bedeutung des Bewegungstrainings für die Erhaltung und Entwicklung unseres KörpersMeine Beobachtungen haben ergeben, dass sowohl die Entwicklung des menschlichen Körpers als auch die Komplexität der menschlichen Gesellschaft wesentlich durch die Kunst, insbesondere die Tanzkunst gefördert und geprägt wurde – sie ist ein „gewaltiger gesellschaftlicher Antrieb“, wie J. R. Mackrell für die Enzyklopädia Britannica schrieb, ebenso eine herausfordernde Infragestellung der ästhetischen, religiösen und politischen Ansichten jeder Ära bzw. Gesellschaft. Ich postuliere, sie ist grundlegend für die geistige Entwicklung der Menschheit, das Konzept einer wandelbaren Identität, der Konzeptualisierung des Selbst, eine Frage der Perspektive, von Ehrgeiz and gesellschaftlichen Erwartungen …. kurz, Kultur.
Die Weiterentwicklung des Selbst erlaubt uns zu verstehen, dass wir mehr sein können als wir sind, durch einen Prozess disziplinierter Aufopferung, durch die Vorstellung davon, wie wir sein könnten. Um diese Vision unseres Selbst entstehen zu lassen, muss eine „Leere“ eintreten, ein Zustand des Nichts, wie eine leere Bühne, auf der wir mit Licht und Dunkel Objekte und Menschen auf eine Art und Weise zeigen können, wie wir sie nie vorher wahrgenommen haben.Ein mächtiges Werkzeug zur Weiterentwicklung des Selbst – die wandelbare Identität – birgt einige Gefahren. Die Fähigkeit, uns selbst anders zu sehen, als wir sind, kann zu einer verzerrten Wahrnehmung der Realität führen (was meiner Meinung nach auch häufig geschieht). Damit ist die Bühne frei für eine unheilvolle Konfrontation zwischen Menschen und ihrer einzigen Quelle des Überlebens, der Natur selbst.Ich richte nicht über den Konflikt zwischen Mensch und Natur, da ich glaube, dass gerade die Fähigkeit, zielstrebig ehrgeizige Ziele zu erreichen, uns als Menschen ausmacht, aber ich denke, wir werden anfangen, vernünftige Strategien für den Umgang mit Risiken und Ressourcen zu entwickeln. Ich denke, es ist wichtig, falsche und gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen zu erkennen und eine intelligente Methodik für die Erhaltung menschlicher Gesundheit zu entwickeln und anzuwenden.Solche Methoden entstehen zur Zeit in allen sozialen Bereichen … auch in der Tanzkunst.

Um zu verstehen, wie wir die Herausforderung der Erhaltung unserer Gesundheit im kommenden Jahrhundert meistern und gleichzeitig unsere Fähigkeiten erweitern können, müssen wir uns genau anschauen, wohin uns unsere Vorstellungskraft geführt hat. Ich glaube, wir können die Diskrepanz zwischen unserem imaginären Selbst und unserem realen Selbst überall auf der Welt in der geometrischen Vereinfachung erlernter Bewegungsmuster sehen.
Viele der mir bekannten, gut gemeinten Übungssysteme und physiotherapeutischen Herangehensweisen übersehen die Tatsache, dass für alltägliche Bewegungen mit ihren ständigen Positionswechseln bei vielen unterschiedlichen Geschwindigkeiten hauptsächlich die Koordination der asymmetrischen, nacheinander angeordneten Stützsysteme erforderlich ist.

12291196_10206085694844487_5123459388806404818_o

Nahezu einhellig beharren sie auf der gleichzeitigen Aktivierung beider Arme und Beine oder der Beugung beider Hüften oder des Rumpfes in eine Richtung als Ausgangspunkt. Neuesten neurologischen Erkenntnissen zufolge wächst oder schrumpft unser Gehirn in Abhängigkeit davon, welche Herausforderungen es zu meistern hat. Wenn das stimmt, dann müssen wir annehmen, dass die Beschränkung unserer Wahrnehmung des dreidimensionalen Raumes auf 45°-Winkel und 40°-Diagonalen dazu führt, dass die Fähigkeit unseres Nervensystems, auf Situationen zu reagieren, in denen eine subtilere Geometrie Zeit sparen und Verletzungen vermeiden würde, immer mehr abnimmt. Bemerkenswert ist, dass in den meisten Trainingsmethoden weltweit multiaxiale Bewegungen im Grunde genommen auf zweiachsige Zirkumduktion (Kreisen) beschränkt sind. Außerdem versuchen viele Tänzer, selbst in der Bewegung Körperhaltungen beizubehalten, die eher für statische Posen geeignet sind.

Heutzutage sollte jedem klar sein, dass Muskelkraft und motorische Kontrolle nicht das Gleiche sind. Krafttraining kann uns stärken, aber nicht vor Verletzungen schützen und auch nicht unsere Fähigkeit verbessern, Bewegungen harmonischer, besser ausgerichtet und unter Einbeziehung von mehr Körperstrukturen auszuführen.

Viele Trainingssysteme arbeiten regelmäßig mit statischen, geradlinigen Positionen oder sich wiederholenden, einachsigen, in einer Ebene liegenden Bewegungen, die an die Vollkommenheit alltäglicher Bewegungen, zum Beispiel normales Gehen, nicht heranreichen. Solche Methoden bewirken – anstatt zur Verstärkung bzw. zur Verbesserung guter Bewegungsmuster beizutragen – dass die Lernenden natürliche Bewegungsmuster und eine geeignete Gewichtsverteilung, die für effiziente Bewegungen entscheidend sind, abbauen, wodurch sie einem rapiden Verfall ihres Körpers und der Gefahr von Verletzungen ausgesetzt sind.

Geradlinige Dehnungen, die die Gelenke bis zum Maximum und darüber hinaus drängen, bringen auch keine bessere Ausrichtung oder mehr Sicherheit bei dynamischen Bewegungen.

Der entscheidende Faktor für die Effizienz von Bewegungen liegt in der Ausnutzung der kinetischen Energie und des Trägheitsprinzips zur Reduktion von Belastungen. In vielen oder sogar den meisten Standardmethoden wird dieser Sachverhalt vernachlässigt. Ich möchte die gesamte Branche bitten, ihre Ausbildungssysteme noch einmal unter dem Blickwinkel der Bedürfnisse des menschlichen Bewegungsapparates zu untersuchen und meine Kollegen auffordern, mich darin zu unterstützen, sinnvolle Methoden zu entwickeln, um die Menschen auf ihre Aufgabe vorzubereiten, die sich selbst in den Dienst des Lebens stellen.

 


Frey Faust
Frey Faust, Tänzer, Ausbilder, Choereograph, Gründer und Künstlerischer Leiter des Nomadic College, Begründer der Asis-Syllabus-Methode, Experte der Lebensenergie-Konferenz → zum Expertenprofil


Axis Syllabus (AS) ist eine Bewegungsanalyse- und Trainingsmethode, die aus einem Fundus klinischer ebenso wie empirischer Erkenntnisse besteht sowie aus einem Symbolsystem zur Beschreibung von Körperbewegungen in Bezug auf Orientierung, anatomische Strukturen und Physik. AS verfolgt in der Lehre, wie Menschen sich effizienter bewegen können, eine ethische Herangehensweise, und zwar in dem Bestreben, physio-emotionale Prinzipien zur Belastungsreduktion, Erzeugung und Erhaltung von Energie zu vermitteln sowie durch die Förderung wissenschaftlicher Untersuchungen und kreativer Bemühungen, die auf physische und mentale Gewalt verzichten.Axis Syllabus Berlin: http://axissyllabus.org

Nomadic College: www.nomadiccollege.orgFB EVENT NC GamboaDas diesjährige Nomadic College findet vom 4. bis 30. Januar 2016 in Gamboa, Brasilien statt. Gamboa ist ein Paradies auf Erden. Es ist zwar etwas teuer, dort hinzukommen, aber es ist die Mühe und die Kosten auf jeden Fall wert.Das Nomadic College ist eine der wertvollsten Möglichkeiten, mit einigen der besten Bewegungslehrer der Welt zu lernen. Es beinhaltet eine einmonatige, modular aufgebaute Ausbildung, die Angewandte Anatomie, Physik, verschiedene praktische Bewegungsfähigkeiten und kreative Anregungen umfasst. Zusätzlich zu den Bewegungskursen werden ein Do-it-yourself-Schuhworkshop sowie einige freie Konferenzen zu relevanten Themen, z.B. Musik und Symbologie, angeboten.Das Essen wird ein Ayurvedischer Koch zubereiten, vom Studio sind es nur 2 Minuten Fußweg zum Meer und in der Umgebung befinden sich sattgrüne Hügel.

 


 

englischer Originaltext:

Intelligent Evolution – The historical importance of human movement training science in the maintenance and evolution of our body’s design

My observation is that the evolution of the body and human social complexity have arisen or are influenced by the arts, and in particular dance, a “powerful social impulse”, as J R. Mackrell wrote for the encyclopedia britannica, as well as an intricate inquest into the esthetic, religious and political notions of each era or society. I postulate that, fundamental to humanity’s historical intellectual development, is the concept of the negotiable identity, the conceptualization of self; as a matter of perspective, ambition and social expectations… in short, culture.

The extrapolation of the self allows us to understand that we can be more than what we are through a process of disciplined sacrifice, through the imagination of ourselves, not as we are, but as we could be. In order to construct this vision of ourselves, an “emptiness” must be created, a void, like the empty black-box stage, where we can use light and darkness to paint objects and show people in a way they might never have been perceived before.

A powerful tool for self-advancement, the negotiable identity has its dangers. This ability to imagine ourselves as other than we are can lead, and in my opinion has often led to a dis-association with the possible, setting the stage for a cataclysmic confrontation between human beings and their very source of survival, nature itself.

I do not judge the human conflict with nature, as I believe it is our ability to be ambitious that is so special to our kind, but I think we will also begin to develop rational strategies for risk assessment and resource management. I think that the recognition of erroneous and dangerous practices and the consolidation and application of intelligent methodology for the preservation of human health is a matter of course.

We can see these methods developing in all social sectors… including the art of dancing.

In order to understand how we can meet the challenge of preserving our health while expanding our abilities in the coming century, we need to take a good look at the place our imagination has brought us. I believe we can see the discrepancy between our imagined selves and our biological selves in the geometrical simplification of learned movement patterns the world over.
Many of the well-intended exercise regimes and physio-therapeutic approaches I have observed seem to not take into account that the daily task of locomotion uses asymmetrical, sequentially deployed support systems that require coordination for negotiating a shifting perspective and a wide variety of speeds.

With near uniformity, they all insist on a simultaneous activation of both arms and legs or the folding of both hips or the folding of the body trunk in a single direction as a starting point. According to recent neurological science, our brains grow or shrink depending on the challenges we set it. If this is true, then it would be logical to assume that the over-simplification of our perception of the three dimensional field we inhabit to bisecting right angles and 40 degree diagonals could limit the ability of the nervous system to respond to situations where the appreciation and use of a more subtle geometry would save time and injury. It is interesting to note, that in most training approaches the world over, multi-axial motions are limited to essentially bi-axial circumduction. Also, in many dancers preparations, there is an attempt to approach dynamic states while maintaining postures more appropriate to static ones.

It should be obvious to all of us by now that muscle strength and motor control are not equivalents. Conditioning can provide support, but will not protect us from coordination-related injury, nor will conditioning improve our ability to execute movements with more integration and alignment.

Many training systems regularly work with static, rectilinear postures, or repetitive, mono-axial, single-plane movements that do not reflect the sophistication of everyday motion, such as normal walking. Such methods, instead of reinforcing or improving on good habits, can cause the student to remove natural patterns of appropriate weight distribution that are vital to efficient motion, setting them up for rapid decline and injury. Rectilinear stretches that push the joints to the maximum and beyond do nothing to insure alignment and security in dynamic situations either.

The deciding factor in efficiency is in the deployment of kinetic energy and inertial principles for stress-reduction. This issue remains absent in many or most standard approaches. I would like to ask the entire industry to re-examine their training systems in the light of human locomotive needs, and call on my colleagues to assist me in devising logical ways to prepare the people who place themselves in our care for real life.

 


Frey Faust
Frey Faust, dancer, teacher, choreographer, founder and artistic director of the Nomadic College, consolidator of the Axis Syllabus, Expert of the Lebensenergie-Konferenz → to his expert profile


The Axis Syllabus (AS) is a movement analysis and training method that comprises a fund of clinical as well as empirical knowledge and a symbol system for describing the body in motion in terms of orientation, anatomical structures and physics. The information contained in the AS is expressed through an ethical approach to teaching people how to move efficiently; namely the aspiration to convey physio-emotional principles of stress-reduction, energy generation and conservation and encourage a process of scientific inquest and creative endeavor without recourse to either physical or mental abuse.

Axis Syllabus Berlin:> http://axissyllabus.org

Nomadic College:> www.nomadiccollege.org

The first is the Nomadic College in Brazil, which starts on the 4th of January in Gamboa Brazil. Gamboa is paradise on earth. Its a bit expensive to go there, but it is well worth the effort and investment. 

The Nomadic College is one of the most valuable moments of the year to study with some of the best movement teachers on this planet. It offers a one-month curriculum in modular phases, encompassing applied anatomy, physics, various practical movement skills, and creative stimulation. Besides the movement sessions, there is a do-it-yourself shoe workshop, a music and symbology intensive, and several free conferences on relevant topics.

We will be catered by an Ayurvedic cook, the studio is a 2 min walk to the life-filled ocean, and all around are verdant, virgin hills.

2 Kommentare

  1. Love, and thank You for Your article. Since You did not mention it, I want to point You to http://www.anatbanielmethod.com/ . Anat’s work is in the depth of what You describe. Love and Joy ***

  2. Hallo, ihr Kreativen,
    vielen Dank für euer erweitertes outfit, für mich urst interessant. Es fühlt sich so verbindend, in Fülle an. Ich wurde gleich angeregt, das Video mit Frey Faust von der 1.Konferenz nochmal anzuschauen. Mein innerer Blick verändert sich ja stets. Auch an Barbara Miller noch einen extra Dankesgruß, heute ist Neumond u. ich fast mit „ihrem“grünen Saft.War überrascht, wie gut er mir schmeckt.Welch ein Segen , hier dabei zu sein. Ilona

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.